Trennung von Kraft und Bewegung

Eine der größten Irrtümer der modernen Reiterei liegt in der Philosophie grundsätzlich alle Probleme im Sattel und in der Bewegung zu lösen zu versuchen.
Nicht selten verstricken sich Reiter und Pferd in gegenseitige Missverständnisse, aus denen Widersetzlichkeiten entstehen, welche wiederum Verspannungen hervorrufen.
Unser Ziel ist es jedoch Pferde gesund und ohne Verspannungen zu bewegen. Daher ist es enorm wichtig die Qualität der Bewegung und die Leichtheit im Kiefer des Pferdes als Grundvoraussetzung fortwährend zu beobachten und zu bewerten.

„Die Leichtigkeit im Maul geht der Leichtigkeit des ganzen Pferdes voraus“.
(Salomon de la Broue)

Sobald wir auf Ungereimtheiten stoßen und merken, dass die Qualität der Bewegung leidet müssen wir SOFORT anhalten.
Im Halten gilt es in völliger Immobilität des Pferdes die Leichtheit im Kiefer und damit das für die Bewegung wichtige Gleichgewicht in einer Grundqualität wieder herzustellen.
Erst wenn diese Voraussetzungen für die Bewegung wieder hergestellt sind können wir die Bewegung erneut vom Pferd verlangen.

Sollten wir nach dem Anreiten abermals auf Widerstände stoßen muss wiederum angehalten werden und die Leichtheit und Gleichgewicht wieder hergestellt werden.

„Wenn die soeben beschriebene Aktion hingegen nicht das weiche Mobilisieren des Unterkiefers auslöst, sondern den Gang bzw. die Ausführungsweise der Übung verändert oder gar offenbar macht, dass ernsthafte Widerstände bestehen, dann muss angehalten werden. Man muss in einem solchen Fall das Pferd zur Immobilität bringen und daraufhin im vollkommenen Halt die Légèreté zu erlangen suchen…
Ist dieses Ziel erreicht, d.h. ist die Ruhe neuerlich vollkommen wieder hergestellt, dann ist der Moment gekommen, das Pferd wiederum so einzustellen (position) und zu aktivieren (action), dass daraus die vorher unternommene Übung entsteht, bzw. die unterbrochene Gangart neu aufgenommen wird.
Diese Vorgehensweise nennt man „Kraft und Bewegung voneinander trennen” (decomposer)”

(Faverot de Kerbrech)

Gerade für Reiter die von der aktuellen Auffassung „deutschen” Reitlehre kommen und ihre Reitweise mit ihrem Pferd umstellen wollen, beginnt im Punkt „Kraft von Bewegung trennen” die Essenz aber auch die größte Hürde – denn die meiste Zeit werden sich diese Reiter in der Bahn stehend wiederfinden.

Es gehört leider ein wenig Mut dazu die nötige Konsequenz walten zu lassen, sollte man an einem größeren Reitbetrieb stehen, denn ungläubige Blicke werden noch das Geringste sein, was man ernten wird.
Dem denkenden Reiter wird nun klar werden, dass die Voraussetzung von Balance und Leichtigkeit im Kiefer für die grundsätzliche Bewegung, die Auffassung über die „Lösungsphase”, so wie sie in vielen Reitbahnen täglich „abgehandelt” wird gänzlich ändert, bzw. ad absurdum führt.

Ein Pferd dass nicht locker im Kiefer ist, ist nicht im Gleichgewicht und ist nicht auf die Bewegung vorbereitet – die Lösungsphase stellt allerdings diese Voraussetzungen als Ergebnis an den Schluss der Einheit. Das heißt im Umkehrschluss, dass die meisten Pferde in der Lösungsphase bereits „ungesund” bewegt werden.

Das konsequente Einstellen der Lockerheit im Kiefer (Légèreté) vor jeglicher Bewegung und das konsequente Anhalten bei fehlender Lockerheit führt anfänglich zu vielen Pausen, über die Zeit jedoch durch Konditionierung zu schneller Einstellung der Lockerheit und immer länger anhaltender Légèreté – der Grundvorausetzung für feines Reiten.

siehe auch folgende Artikel:

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